Reaktion ist nicht alles |
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Stellen Sie sich einmal vor, was man sich am liebsten
gar nicht vorstellen möchte: Sie sind an einem sonnigen Morgen mit dem
Auto unterwegs, und plötzlich springt ein Kind vor ihrem Wagen auf die
Straße. Wenn Sie 50 km/h fahren, und das Kind ist 28 Meter entfernt, so
haben Sie beide gerade noch einmal Glück gehabt. Vorausgesetzt, Sie reagieren
sofort und bremsen voll, kommen Sie rechtzeitig zum Stehen. Sind Sie aber
zu schnell unterwegs, etwa mit 70 km/h, hat das Kind keine Chance. Trotz
sofortiger Reaktion wird Ihr Wagen es mit einer Geschwindigkeit von etwa
58 km/h treffen, was zu tödlichen Verletzungen führt. Aber Vorsicht: Diese Werte gelten für den "Idealfall". Ist die Fahrbahn naß oder verschmutzt, so verlängert sich der Anhalteweg nochmals deutlich, weil das Fahrzeug beim Bremsen rutscht. Mit der Fahrschulformel für den Anhalteweg gehen Sie hingegen auf Nummer Sicher. Sie berechnet großzügiger, geht von den schlechtesten Rahmenbedingungen aus. Jedem Fahrschüler wird sie im theoretischen Unterricht beigebracht, jedoch ist sie meist nach kurzer Zeit wieder vergessen. Wie war das denn noch? - Reaktionsweg gleich Geschwindigkeit durch zehn, mal drei, plus Bremsweg gleich Geschwindigkeit durch zehn, mal Geschwindigkeit durch zehn. Fahre ich also mit 50km/h, entspricht mein Reaktionsweg einer Strecke von 15m und der Bremsweg 25m, was demnach einen Anhalteweg von 40m ergibt. So weit, so gut. Was steckt jedoch hinter dieser Formel? Da wäre zunächst der Reaktionsweg, der zwar als Strecke in Meter ausgedrückt wird, jedoch beinhaltet schon der Begriff "Reaktion", daß es sich nicht um eine wegabhängige, sondern eine zeitabhängige Größe handelt. Der Weg ist also eine Funktion der Reaktionszeit, die in Sekunden ausgedrückt wird. Der Umrechnungsfaktor von der Einheit km/h in m/s ist 3,6. Daraus folgt, daß ein Fahrzeug bei einer Geschwindigkeit von 50 km/h in 1 Sekunde eine Strecke von 13,89 m zurücklegt. Wie bereits gezeigt, ergibt sich aus der Fahrschulformel ein Reaktionsweg von 15 m. Hieraus resultiert eine Reaktionszeit von 1,08 s, ein Wert, der sich bei jeder Ausgangsgeschwindigkeit errechnet. Im Regelfall wird einem Fahrzeugführer im Straßenverkehr unter normalen Bedingungen eine Reaktionszeit von 1 Sekunde zugebilligt. Wenn Sie glauben, viel schneller auf etwas reagieren zu können, haben Sie im Prinzip recht. Allerdings umfaßt die Reaktionszeit nicht nur das persönliche Reaktionsvermögen, sondern setzt sich aus verschiedenen Zeitabschnitten zusammen:
Alles in allem ergibt sich eine Zeitspanne von bis zu
1 Sekunde, die letztlich als gesamte Reaktionszeit verstanden wird. Daraus
folgt, daß sich der erforderliche Reaktionsweg direkt aus der Umrechnung
mit dem Faktor 3,6 errechnet. |
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